Großherzogtum Baden: Kammerherrenschlüssel

Kammerherrenschlüssel oder Kämmererschlüssel sind weder Auszeichnung, im Sinne von Orden & Ehrenzeichen, noch Rangabzeichen. Sie sind vielmehr sichtbare Abzeichen der Amtswürde eines Hofamtes. Des Hofamts des Kämmerers. Sie schließen damit die Lücke zwischen Orden und Rangabzeichen.

Was versteht man unter dem Hofamt eines Kämmerers, bzw. Kammerherrn?

Im Hochmittelalter war es üblich, dass jedes königliche Haus Ämter zur Besorgung der Haushaltung hatte. Die ursprünglichen vier Hofämter waren Marschall (Stallmeister), Mundschenk (Aufseher der königlichen Weinberge bzw. Weinkeller), Kämmerer (Schatzmeister) und Truchsess (Vorsteher der Hofverwaltung). Der Kämmerer hatte die Aufsicht über die Kammer und den Schatz. Später verlor er diese Funktion an den Schatzmeister. Die königliche Hofhaltung wurde auch zum Vorbild für die Fürstenhäuser. Diese verliehen bestimmten Vasallen die so genannten Hofämter teils als erbliche Würde. Die Dienste erlangten den Charakter von Ehrendiensten und wurden schließlich nur noch bei besonders feierlichen Anlässen ausgeübt. Das Amt des Kämmerers wurde im Laufe der Zeit auch zu einem unbesoldeten Ehrenamt, das Zutritt zum Souverän verschaffte.

Der Kämmererschlüssel wurde zusammen mit der Uniform des Kämmerers an einem Portépée oder Quaste getragen. Der Schlüssel selbst hatte meist die Form eines herkömmlichen Schlüssels mit Bart, der jedoch außer der Zier, keine Funktion hatte. Da in der Regel nur der obere Teil des Schlüssels sichtbar war, der Rest des Schlüssels lag unter dem Portépée verborgen, verloren später einige Schlüssel ihre ursprüngliche Form zugunsten einer Spange, mit der der Schlüssel an eine Schlaufe der Uniform gehängt wurde.

Aber nun zu dem hier in Rede stehenden Kammerherrenschlüssel des Großherzogtums Baden.

Großherzog Friedrich I. von Baden (1826-1907) fungierte von 1852 bis 1856 als Regent und von 1856 bis zu seinem Ableben im Jahr 1907 als Großherzog von Baden. Für ihn wurden neue, veränderte Schlüssel geschaffen. Diese wiesen eine Länge von 19 cm auf und waren aus vergoldetem Messingguss gefertigt. Auf der Vorderseite der Schlüssel, im Schild, befand sich unter der Krone ein verschlungenes „F“. Die vormals separat stehenden Schildhalter, dargestellt durch Löwen und Greife, waren nun fest mit den Schlüsseln verbunden. Zudem wiesen sie nun eine verzierte Umrahmung auf. Die bisher bekannten Schlüssel mit der Chiffre „F“ weisen nur geringfügige Abweichungen auf. Diese Veränderungen könnten auf Nachbestellungen oder die Verwendung einer neuen Form durch den Hersteller zurückzuführen sein.

Der letzte Großherzog Friedrich II. (1857-1928) regierte von 1907 bis 1918, und aufgrund der Namensgleichheit wurden in seiner Regierungszeit die alten Schlüssel weitergetragen. Das Portepee bestand aus vergoldetem Silberdraht. Die Schleife war mit einem rhomboiden und kreisförmigen Messingplättchen versehen. Unter der Schleife wurde auf der Troddel das badische Wappen auf zweifache Weise dargestellt. Das Ganze wurde mit einem vergoldeten Silberdraht auf den Schlüssel gebunden.

Die Ernennung der Kammerherren erfolgte durch den Großherzog, was durch eine Urkunde dokumentiert wurde. Die Verleihung der Kammerherrenwürde sowie die damit einhergehende Beschaffung und Übergabe des Kammerherrenschlüssels waren mit Gebühren verbunden.
Gemäß dem Hof- und Staatshandbuch des Großherzogtums Baden von 1910 sind 102 aktive Kammerherren verzeichnet. Seit dem Jahre 1854 waren die Kammerherrenschlüssel nicht mehr Rückgabepflichtig.
Nach VOLLE handelt es sich um die seit 1853/54 ausgegebene Form aus der Regierungszeit von Großherzog Friedrich I. oder Großherzog Friedrich II.

Das gezeigte Objekt wiegt gut 148 g und ist etwa 52,5 x 191 mm groß. Es besteht aus einer feuervergoldeten, sehr hellen, fast weißlichen Kupferlegierung (Bronze bzw. Messing). Die Kartusche der Chiffre weist partiell eine matt vergoldete Oberfläche auf, die einer Politur unterzogen wurde. Die Chiffre selbst, das gespiegelte „F“, ist beiderseits separat aufgelegt. Auf dem Stück finden sich keinerlei Punzen oder Marken. Die Kammerherrenschlüssel wurden zusammen mit dem Portepee in einem mit roter Seide ausgekleideten, grünen Etui ausgegeben.

Etui für den Kammerherrenschlüssel
Etui für den Kammerherrenschlüssel
Schlüssel im geöffnete Etui

Historische und aktuelle deutsche Orden und Ehrenzeichen