Der Königliche Hausorden von Hohenzollern

Stifter: König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen

Stiftung: 18. Januar 1851 (Aufnahme unter die
Königlichen Preußischen Orden infolge des Staatsvertrages von 1849), Statuten
von 23. August 1851

Auszug aus den Statuten:

Art. 2

Den Königlichen Hohenzollernschen Haus-Orden wollen Wir dem
Andenken an den Ursprung und die Ausbreitung Unseres Königlichen Hauses widmen,
welches unter dem Beistande Gottes des Allmächtigen von der Felskuppe des
Hohenzollern seine Herrschaft ausgebreitet hat, bis zu dem Baltischen Meere und
über das Stromgebiet der Nordsee und verleihen zu diesem Gedächtnisse dem Orden
die Devise:

Vom Fels zum Meer“,

wollen auch zum Sinnbilde des allmächtigen Anwachsens der
Macht Unseres Hauses sämtliche Ordenszeichen außer mit dem Hohenzollernschen
Wappen auch mit dem Königlichen Adler von Preußen, sowie mit Unseren Haus- und
Landesfarben schmücken, die Ordenskette aber außerdem noch mit dem Burggräflich
nürnbergschen Wappen und dem Scepter des Chur-Erz-Kämmerers.



Kette zum Großkomtur

Art. 3

Diesen Unseren Königlichen Haus-Orden werden Wir und Unsere
Nachfolger in der Krone an solche Personen verleihen, welche um die Erhaltung
des Glanzes und der Macht des Königlichen Hauses sich verdient gemacht und eine
besondere Hingebung an Uns und Unser Haus an den Tag gelegt haben, sowohl durch
ein in der Gegenwart seine Frucht tragendes Verdienst, durch aufopferndes und
mannhaftes Benehmen im Kampfe für dasselbe gegen äußere oder innere Feinde, als
durch ein Wirken für die Zukunft, das in kommenden Zeiten Frucht bringen wird,
durch Ermunterung und Bereitung der heranwachsenden und zukünftigen Geschlechter
zu gleicher Treue und gleichem Thun.

Art. 4

Demgemäß werden solche Personen, welche durch ein
aufopferndes und unerschrockenes Benehmen in Kämpfen jeder Art, insbesondere
aber durch Mannhaftigkeit im Kampfe gegen die nie rastenden Feinde aller
göttlichen und menschlichen Ordnung, welche auch in den Uns von dem
Allerhöchsten anvertrauten Landen Aufruhr und Verwirrung angestiftet haben, ihre
Hingebung an Unsere Person und Unser Haus an den Tag gelegt haben und legen
werden, das unten zu beschreibende Kreuz des Ordens in drei Klassen,
Groß-Comthur, Comthur, Ritter, erhalten.

Art. 5

Solchen Personen aber, welche in Hinblick auf die Zukunft
in die Herzen der heranwachsenden und zukünftigen Geschlechter den Keim treuer
Gesinnung und Treuer Thaten legen, sei es durch ernste Zucht der Jugend und
Erweckung, gottesfürchtiger, treuer und vaterlandsliebender Gesinnung in der
Schule, sei es durch hervorragende Werke der Kunst und Wissenschaft, welche auch
in fernen Geschlechtern den Geist der Treue und Vaterlandsliebe wecken, wird der
unten zu beschreibende Adler des Ordens in drei Klassen, Groß-Comthur, Comthur,
Ritter, verliehen werden. Und wie die äußeren Abzeichen des Ordens an die
Vergangenheit Unseres Königlichen Hauses erinnern sollen, so wollen Wir
demselben eine innere Thätigkeit anweisen, welche für die Zukunft Unseres Hauses
eine feste Grundlage in dem Geiste der Jugend und der Jugendlehrer schaffen
soll. Wir gedenken nämlich später das durch Schenkungen zu begründende Vermögen
des Ordens zur Beförderung von Bildungs-Anstalten für christliche Schullehrer
und zwar womöglich zur Begründung eines solchen Seminars in jeder Provinz zu
verwenden, um auf diese Weise der heranwachsenden Jugend eine tüchtige
Schulzucht und einen stärkenden und belebenden Unterricht zu sichern und die
Pflege einer treuen Gesinnung unter ihr auf die sicherste Weise zu begründen. Es
soll aber das Ordens-Capitel berechtigt sein, solche Personen, welche sich um
diese Stiftung verdient gemacht haben, Uns zur Auszeichnung und Belohnung
vorzuschlagen, und behalten Wir Uns vor, wenn diese Person sonst von tadellosem
Lebenswandel und Rufe und der Ehre des Ordens würdig sind, sie auch der Stiftung
ein Geschenk von mindestens 1500 Thalern auf Einmal oder 100 Thaler jährlich
zugewandt haben, ihnen das Ehrenzeichen des Adlers der Ritterklasse in Silber zu
verleihen.

Art. 6

Hiernach soll Unserer Königlicher Haus-Orden in zwei
Abtheilungen verleihen werden, deren erste zur Belohnung besondere Hingebung an
Unser Königliches Haus, die zweite zur Belohnung besonderer Verdienste um die
Pflege gottesfürchtiger und treuer Gesinnung unter der Jugend bestimmt ist. Jede
Abtheilung hat drei Klassen, Groß-Comthur, Comthur, Ritter.

Art. 7

Das Abzeichen der ersten Abtheilung besteht aus einem
goldenen, weiß mit schwarz emaillierten Kreuz nach der von Uns genehmigten
Zeichnung. In der Mitte des Kreuzes liegt auf beiden Seiten ein rundes Schild
auf. Auf der Vorderseite zeigt dieses Schild in einem azurblauen Rande die
Ordens-Devise: „Vom Fels zum Meer.“ In der Mitte Unseren Königlichen
Wappen-Adler auf weißem Felde, welcher auf der Brust das Hohenzollernsche
Wappen-Schild trägt. Auf der Rückseite ist das Schild ebenfalls von einem
azurblauen Bande mit dem Datum der Stiftung: „18. Januar 1851“ umgeben und
enthält in der Mitte gleichfalls auf weißem Felde, Unseren Königlichen
Namenszug. Zwischen den Armen des Kreuzes zeigt sich ein goldener grün
emaillierter Kranz, links von Lorbeer- rechts von Eichenblättern. Über dem
Kreuze die Königliche Krone.

Art. 8

Das Abzeichen der zweiten Abtheilung besteht aus in Unserem
Königlichen Wappen-Adler von Gold, schwarz emaillirt, mit dem Hohenzollernschen
Schilde auf der Brust, nach der von Uns genehmigten Zeichnung. Die Devise
befindet sich in einem blauen, den Kopf des Adlers umgebenden Kreise. Die
Unterscheidungen der drei Klassen sind dieselben, wie in der ersten Abtheilung.
Die Ritter, welche den Adler in Anerkennung ihrer Leistungen für die Stiftung
des Ordens empfangen, tragen den Adler von Silber.

Somit bestand die Möglichkeit die erste Abteilung
(Kreuz) für Verdienste um das königliche Haus zu verleihen, oder, sich über die
zweite Abteilung (Adler) in den Orden einzukaufen, wenn der Kandidat über
genügend Barmittel verfügte und sonst dem Orden würdig war.

Am 9. März 1861 stelle König Wilhelm jedoch fest, dass
eine Verleihung infolge einer Barspende noch nicht stattgefunden hatte. Aus
diesem Grund, aus dem Umstand heraus, dass der König bereits mehrfach ein
silbernes Ehrenkreuz zum Hausorden verleihen hatte, und aus dem, das der
königliche Rote-Adler-Orden aus vier Klassen bestand, stiftete er im Juni 1861
zum Hausorden von Hohenzollern die vierte Klasse, in beiden Abteilungen.

Im Art. 9 der Statuten wurde der ersten Abteilung noch
die Hohenzollernsche Denkmünze für Treue Dienste in der Armee in den Gefechten
von 1848 und 1849 hinzugefügt, welche neben dem Orden getragen werden durfte.

Allerhöchst vollzogener Entwurf des Staat-Ministeriums zur
Stiftung einer vierten Klasse.

Ich habe eine Erweiterung der Statuten des Königlichen
Haus-Ordens von Hohenzollern vom 23. August 1851 beschlossen und bestimme
demnach, was folgt:

1) Der Hohenzollernsche Orden des Königlichen
Hauses von Preußen wird in den beiden Abtheilungen derselben fortan in vier
Klassen, Groß-Comthur, Comthur, Ritter und Inhaber verleihen werden.

2) Das äußere Abzeichen für die vierte Klasse
besteht: für die erste Abtheilung aus einem silbernen Kreuze, für die zweite
Abtheilung aus dem Königlichen Wappen-Adler von Silber.

3) Die Bestimmungen der Ordens-Statuten vom 23.
August 1851 finden auch auf die vierte Klasse des Ordens Anwendung. Jedoch wird
die Bestimmung im Art. 5 dieser Statuten, wonach die Verleihung des Adlers der
Ritterklasse in Silber von einer Zuwendung an die darin gedachte Stiftung
abhängig gemacht ist, hierdurch aufgehoben.

Dieser Erlaß ist durch die Gesetz-Sammlung bekannt zu
machen.

Berlin, im Juni 1861 Wilhelm

Damit war eine Verleihung gegen Entrichtung einer
Barspende nicht mehr möglich.

Beide Abteilungen durften nebeneinander getragen werden,
jedoch jeweils nur die höchste Klasse. Mit der Erweiterungsurkunde vom 18.
Oktober 1861 wurde dem Hausorden in den Klassen Großkomtur und Komtur ein Stern
hinzugefügt, der auch neben anderen preußischen Ordenssternen getragen wurde.


Stern der Großkomtur


Stern der Komtur

Mit Urkunde vom 27. Februar 1864 wurden dem Orden die
Schwerter und bei erneutem Verdienst die Schwerter am Ringe gestiftet.

Die Verleihung mit Schwertern für Verdienst vor dem
Feinde

Ich eröffne der General-Ordens-Commission hierdurch
Nachstehendes:

Ich will von jetzt an für Verdienst vor dem Feinde auch den
Königlichen Kronen-Orden und den Königlichen Haus-Orden von Hohenzollern ebenso
wie dies bisher bei dem Rothen-Adler-Orden der Fall war, in allen Klassen mit
Schwertern verleihen und sollen hierbei die für den Rothen-Adler-Orden gegebenen
Bestimmungen der Ordre vom 16. September 1848 analoge Anwendung finden. Außerdem
behalte ich Mir vor, diejenigen Rittern, welche eine Ordensklasse mit Schwertern
am Ringe besitzen, bei erneutem Verdienst vor dem Feind zu derselben
Ordensklasse neben den beizubehaltenden Schwertern am Ringe die kreuzweis
übereinander stehenden Schwerter zu verleihen.

Berlin, den 27. Februar 1864 Wilhelm

Interessanter weise war der Hausorden mit Schwertern
dazu ausersehen die Taten derjenigen zu würdigen, die mit dem Pour le mérite
hätten ausgezeichnet werden müssen, bei denen aber einzelne Bestimmungen der
Ordenstatuten der Verleihung entgegenstanden, wie der Rang des zu Beleihenden
oder ein anderes Hindernis.

Dr. Kurt-Gerhardt Klietmann nennt in seinem Buch „Pour
le Merité und Tapferkeitsmedaille“, für den folgenden Stern und dem
Verleihungszeitraum von 1914 – 1918, lediglich sieben Verleihungen. Jörg
Nimmergut gibt für den selben Zeitraum 12 Verleihungen an. Für den Zeitraum von
1851 – 1869 verzeichnet Louis Schneider in seiner Veröffentlichung „Der
Königliche Hausorden von Hohenzollern“ nur vier Verleihungen, wobei die
Schwerter erst ab 1864 verliehen wurden. Wieviel Komtursterne mit Schwertern im
Krieg 1870/71 verliehen wurden, ist mir derzeit nicht bekannt. Unter
Zuhilfenahme der Statistischen Aufschlüsselung der Verleihungen des Hausordens
von Hohenzollern von Peter Sauerwald gab es bis 1918 155 in der Klasse Komtur,
wobei hier auch Verleihungen ohne Schwerter als auch die die einzeln verliehenen
Sterne enthalten sind. Es fehlen jedoch dabei die Angaben für die Jahre 1866 und
1914.


Stern der Komtur mit Schwertern VS / Fertigung vor 1916
(Die Schwertgriffe sind leider verloren aber wurden für diese Abbildung virtuell ersetzt.)


Stern der Komtur mit Schwertern RS / Silber, Auflagen Gold,
67 gr., 77,5 x 68 mm

Stern in Seitenansicht / Auflage des Stern in filigraner
Ausführung

Medaillon mit der Devise des Ordens

Ritzmarke des Herstellers Johann Wagner u. Sohn,
Königliche Hofjuweliere, Berlin

Geöffnetes Medaillon

Abdeckung mit Schraube zum befestigen des Medaillons auf
der Rückseite des Sternkorpus.

Scharnier der Tragenadel

Arretierung und Kugelspitze der Tragenadel

Geöffnetes Scharnier der Tragenadel mit Markierung

Die folgenden Abbildungen zeigen das Kreuz der Ritter
mit Schwertern den Adler der Ritter und in der Ausführung, wie sie bis 1918
verliehen wurden. Das Kreuz ist Silber vergoldet und trägt auf dem unteren
Kreuzarm die Marke „W“ und den Silbergehaltsstempel „938“. Die Medaillons sind
mehrteilig gefertigt und gestiftet. Abmessungen 55 x 37 mm, die Schwerter 40 mm.

 


Kreuz der Ritter mit Schwertern VS

Kreuz der Ritter mit Schwertern RS


Urkunde zum Kreuz der Ritter mit Schwertern

Der Adler der Ritter ist Silber vergoldet. Abmessungen
35 x 30 mm.

Adler der Ritter VS

Adler der Ritter RS

Adler der Ritter, Auszeichnung im Etui

Adler der Inhaber mit Jubiläumszahl

Adler der Inhaber

Urkunde zum Adler der Inhaber

Die Orden wurden in einem schwarzen, rot gefütterten
Etui verliehen. Zur Klasse des Großkomtur gehörte eine silberne Kette auf deren
Glieder sich das Burggräflich-Nürnbergische und das Hohenzollernsche Wappen,
getrennt von je einem Kur-Erzkämmerer-Szepter, abwechselten.

Band: weiß mit drei schwarzen Streifen, bei
Kriegsverdienste am Bande des Eisernen Kreuzes (auch in der Form für
Nichtkämpfer), bei erneuter Auszeichnung, zusätzlich mit einem weißen Streifen
in der Mitte.

Aufgrund einiger Nachforschungen möchte ich noch folgende
Sätze in Bezug auf den abgebildeten Komtur-Stern mit Schwertern ergänzen:

Wenn man den Zeitraum der Fertigung durch Wagner auf 1883
bis 1918 festlegt, kann man eine Verleihung für den Krieg 1870 ausschließen.
Bleibt also nur eine Verleihung für den ersten Weltkrieg. Da das Kreuz in Gold
gefertigt worden ist, ist auch eine Verleihung nach 1916 auszuschließen. Dies
gilt auch für ein bereits vormals verliehenen, aber zurück gelieferten
Ordensstern, der evt. unter Nachrüstung der Schwerter, erneut zur Verleihung
kam. Den abgebildeten Stern der Komtur mit Schwertern konnte ich im Deutschen
Historischen Museum Berlin, mit den dort vorhandenen Sternen zum Hausorden von
Hohenzollern vergleichend Untersuchen. Vier Sterne aus der Produktion Wagner mit
einer Inventarnummer aus dem Jahre 1921 waren vorhanden. Bis auf den Stern aus
dem Besitz von Below (s. u.), der aus einer anderen, minderwertigen Produktion
aus dem Jahr 1918 stammt, waren alle in Anfertigungsqualität und
Anfertigungsweise identisch. Bemerkbar machte sich dieser Umstand besonders am
Innenleben des Medaillons, der Emaillierung der Rückseite der Sternauflage,
sowie der Emaillierung der Rückseite des Medaillonschildchens. An der Aufhängung
der Nadel, sowie am Nadelhaken befanden sich identische Marken. Weder
Sternauflage, noch Schwerter waren vernietet. Alle Stücke zeigten mehr oder
weniger die gleichen grünlichen Verfärbungen im Medaillon. Die Abmessungen der
Sterne waren bis auf fertigungstechnisch bedingte Abweichungen identisch.

Laut Nimmergut´s Ordenshandbuch kommen demnach nur vier
Träger in Frage:

1. Generaloberst von Einem

2. General der
Infanterie Otto von Below

3. Chef des
Generalstabes von Falkenhayn

4. General von Schenk (Stern allein)

Ob es sich bei dem Stern tatsächlich um einen handelt, der
an diese Personen verliehen worden ist, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.