General der Infanterie Konrad Ernst von Gossler


Zitat: „Im Frühjahr 1910 war ich, nachdem ich zwei Jahre lang Gouverneur von Mainz gewesen war, aus dem Dienst ausgeschieden und war daher Seiner, Majestät dem Kaiser und Könige, sehr dankbar, als ich am 2. August 1914, dem ersten Mobilmachungstage, abends eine Allerhöchste Kabinettsorder empfing, dass ich zum Kommandierenden General des VI. Reserve-Korps in Schlesien ernannt worden sei.

Ich stand in militärischer Beziehung Schlesien in sofern nahe, als ich dort drei Jahre lang Chef des Generalstabes und in Breslau fünf Jahre lang Kommandeur der 11. Division war. Ich kannte die Vorzüge der schlesischen Soldaten genau und durfte hoffen, einen großen Teil meiner ehemaligen Untergeben im VI. Reserve-Korps wiederzufinden.“

Leider haben nur zwei Verleihungsurkunden den Weg in meine Sammlung gefunden. Ein Großteil des Nachlasses wurde 1945 zerstört, der Rest verteilte sich in der ganzen Welt. Nachfolgend wird die Verleihungsurkunde zum Groß-Offizierskreuz des persischen Löwen- und Sonnenorden gezeigt, der ihm vom Schah von Persien, Mozaffar Aldin Shah, verliehen wurde.

Auf der Rückseite findet sich die Beglaubigung der Verleihungsurkunde in französischer Sprache.

„Patent zum Großoffiziers-Kreuz des persischen Löwen- und Sonnenordens, verliehen an Herrn General-Major von Gossler, Quartiermeister.
Berlin den 31. Mai 1902
Beglaubigt
Der persische Minister
Mahmoud“

Weiterhin hat sich seine Urkunde zum Kreuz erster Klasse mit Eichenlaub des preußischen Roten Adler-Orden erhalten.

„Wir Wilhelm
von Gottes Gnaden
König von Preußen u.,
haben dem General der Infanterie Conrad Ernst
von Gossler, Kommandeur der 11. Division, den
Rothen Adler-Orden erster Klasse mit Eichenlaub
verliehen und erteihlen demselben, über den rechtmäßigen Be-
sitz dieser Auszeichnung das gegenwärtige Beglaubigungs-
schreiben mit Unserer eigenen Unterschrift und dem bei-
gedruckten Königlichen Insiegel. Berlin, den 18. Januar 1908

Wilhelm“

Zitat: „Am Sonnabend, 12. August 1916, erschien der Kronprinz von Bayern und sein Chef, Generalleutnant von Kuhl, in Lambersart zum Frühstück. Zuerst stand eine dienstliche Besprechung statt, dann begann das einfache Frühstück, zudem zu meinem Erstaunen Champagner aufgestellt war, was mir nicht lieb war, da es bei dem Kronprinzen in dessen Hauptquartier unter gewöhnlichen Umständen einfach hergeht.
Vor dem Schluß des Essens erhob sich der Kronprinz und übergab mir in einer Rede, im Namen des Kaisers, den Orden pour le merité. Ich antwortete kurz mit tief gefühlten Dankesworten. Seine Majestät hatte sagen lassen, er hätte mir den Orden gern selbst geben wollen, aber seine Zeit hätte es bei seiner Reise im Westen nicht erlaubt.
Den Orden verdanke ich den Taten des VI. Reserve-Korps. General der Kavallerie v. Herzberg und Generalmajor v. Kehler hatten schon während der Sommeschlacht hohe Schwerterorden für Verdun erhalten.  Am Abend hielt ich noch eine Dankesrede an den Stab; wir ließen uns dann gemeinsam photografieren, dabei auch der Artilleriegeneral des Abschnitts, der bayerische Generalleutnant Kreppes, der Kommandant von Lambersart, und der sächsische Major v. Pillement. Der Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen telegraphierte an mich persönlich und dann noch an das Korps:

„Zur hohen Auszeichnung des Kommandierende Generals spreche ich allen Truppen des tapferen VI. Reserve-Korps meinen herzlichen Glückwunsch aus. Ich habe nie daran gezweifelt, daß das Korps seinem alten Armeeführer Ehren machen würde. Euch allen tausend Grüße!
Wilhelm, Kronprinz“

Am 13. August 1870 ist v. Goßler, als Leutnant im 2. Garde-Grenadier Landwehr-Regiment, bei Selz, in der Nähe von Rastatt, über den Rhein gegangen. Bei der Belagerung von Straßburg verdiente er sich für die Teilname am Abweisen des großen Ausfalls am 2. September 1870, das Eiserne Kreuz zweiter Klasse.

Zitat: „Am Sonntag, dem 4. Februar 1917, erhielt ich eine Mitteilung seitens des Oberkommandierenden, Generalobersten Freiherrn v. Falkenhausen, daß er für mich bei den vorliegenden schwierigen Verhältnissen im VI. Reserve-Korps bei Seiner Majestät eine andere Verwendung beantragt habe. Im 69. Lebensjahre befindlich, konnte ich es verstehen, daß dem Korps eine jüngere Kraft vorgesetzt werden sollte. Am 7. Februar 1917 sah sich der Kronprinz Rupprecht v. Bayern in meiner Gegenwart einen großen Teil der 11. Reserve-Division an, und hielt eine Ansprache an die Truppe.

Drei Tage später, am 10. Februar 1917, kam aus Kattowitz die Allerhöchste Entscheidung, daß, da zur Zeit keine Stelle vorhanden wäre, Seine Majestät meine Mobilmachungsbestimmung aufgehoben und in gnädiger Anerkennung, der an der Spitze des VI. Reserve-Korps geleisteten vortrefflichen Dienste, den Verdienstorden der Preußischen Krone mit Schwertern zu verleihen geruht haben. Damit war meine dienstliche Tätigkeit im Felde beendet.“

Folgende Orden & Ehrenzeichen wurden General v. Goßler verliehen:
(Bei Verdienstorden wird nur die zuletzt verliehene Stufe genannt.)

Preußen: Verdienstorden der Preußischen Krone mit Schwertern
Preußen: Orden pour le merité
Preußen: Roter Adler-Orden, Großkreuz mit Eichenlaub
Preußen: Kronen-Orden 1. Klasse
Preußen: Eisernes Kreuz 2. Klasse
Preußen: Offiziers-Dienstauszeichnungskreuz
Preußen: Kriegsdenkmünze 1870/71 für Kombattanten
Preußen: Zentenarmedaille
Baden: Orden vom Zähringer Löwen, Ritterkreuz 1. Klasse
Braunschweig: Orden Heinrichs des Löwen, Großkreuz
Hessen: Orden Phillips des Großmütigen, Großkreuz mit Krone
Hessen: Ludwigsorden, Ritterkreuz 1. Klasse
Sachsen: Albrechtsorden, Komturkreuz 2. Klasse
Sachsen: Sachsen-Ernestinischer Hausorden, Komturkreuz 2. Klasse
Württemberg: Orden der Württembergischen Krone, Komturkreuz
Japan: Verdienstorden der aufgehenden Sonne, Großkreuz
Japan: Orden des Heiligen Schatzes, Großoffizierskreuz
Italien: Verdienstorden der Italienischen Krone, Großoffizierskreuz
Österreich: Franz-Joseph-Orden, Großkreuz
Persien: Löwen- und Sonnenorden, Großoffizierskreuz
Russland: Sankt Annen-Orden, 2. Klasse

Familie

General v. Goßler war Sohn des 1885 verstorbenen Kanzler des Königreichs Preußen, Kronsündikus und Präsidenten des Oberlandesgerichts in Königsberg, Gustav Karl von Goßler.

Er heiratete am 7. August 1878 Klara Julie Malwine Klaatsch in Berlin, mit der er vier Töchter hatte.

General von Goßler starb am 7. Februar 1933 in Eisenach.

Die Familie stammt der Überlieferung nach aus dem Vogtlande. Westfälischer Adels- und Ritterstand vom 27. Februar 1813 mit Diplom Napoleonshöhe vom 10.Juli 1813, preußische Adelsanerkennung, Berlin, 6. Februar 1816, für Konrad Christian von Goßler, Königlich westfälischer Requêtenmeister im Staatsrate, General-Prokurator am Appellations-Gerichtishof in Kassel, Westfälischer Ober-Justizrat, Mitglied des Justizministeriums.

Gosslerwappen

Wappenbeschreibung (1813):

Geviert mit silbernem Herzschild, darin drei rote Rosen; 1 von Rot und Silber geschacht, 2 in Gold eine hermelinverbrämte schwarze Faltenmütze, 3 in Silber ein gekrönter, rotbewehrter schwarzer Adler, 4 in Blau ein antikes goldenes Richtbeil / Ritterkrone. Auf dem rot-silbern bewulstetem Helme ein querfliegender knorriger Ast, an dem drei rote Rosen am grünen beblätterten Stengeln emporwachsen.

Zitate aus: „Erinnerungen an den Großen Krieg“, dem VI. Reservekorps gewidmet von Conrad v. Goßler, Gen. d. Inf., Breslau 1919