Das von Wilhelm II. im Exil gestiftete Gorgo-Abzeichen und die Gorgo-Becher der Doorner Arbeitsgemeinschaft (D.A.G.)

Während des Aktenstudiums im Geheimen Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz, blickte ich zunächst ungläubig auf einige Zeilen, in der Seine Majestät der Kaiser zu bestimmen geruht hatte, wann das Gorgo-Abzeichen anzulegen wäre. Nun beschäftige ich mich schon seit über 30 Jahren mit deutschen, aber insbesondere auch preußischen Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen, aber die Existenz eines Gorgo-Abzeichens war mir bisher verborgen geblieben. In keiner mir bis dahin bekannten Literatur, die sich mit Themen der Phaleristik beschäftigt, ist dieses Abzeichen je erwähnt worden.

Auch die Nachfragen bei anderen, fachkundigen Personen auf dem Gebiet der Orden & Ehrenzeichen brachten keinerlei Erkenntnisse. Da die oben genannte Bestimmung jedoch authentisch war, musste das Abzeichen existiert haben. Deshalb war ich mir sicher, dass es möglich sein musste, mehr über das Abzeichen in Erfahrung zu bringen.

Ausgehend von der Bestimmung, wann das Abzeichen angelegt werden sollte, konnte ich weitere Dokumente finden, in der auch die Verleihung des Abzeichens dokumentiert wurde. Durch ergänzende Recherchen von Namen, die ich in den Akten finden konnte, stieß ich auf das Frobenius Institut1 in Frankfurt am Main. Der glückliche Umstand, dass sich das im Jahre 1898 als Afrika Archiv2 gegründete Institut bis heute erhalten hat, gab mir die Hoffnung, von dort weitere Hinweise zum Gorgo-Abzeichen zu erhalten. Nur durch die zuvorkommende Unterstützung dieser und anderer Stellen war es möglich, diesen Artikel in der vorliegenden Vollständigkeit zu erstellen. Nach Kenntnis des Autors wurde bisher nur im Begleitheft der Ausstellung Der Kaiser und seine Forscher 1923-1938, im Jahre 2006 der Museumsstiftung Post und Telekommunikation, das Abzeichen mit wenigen Worten flüchtig erwähnt und  abgebildet. Zwar stellt dieses Abzeichen weder eine Auszeichnung im engeren Sinne dar, noch würde es jemals berechtigt sein, im preußischen Auszeichnungssystem eingestuft zu werden, dennoch war es mir ein Bedürfnis und eine Freude, dieses Abzeichen für eine interessierte Leserschaft zu dokumentieren und so einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Schon in seiner Jugend begann sich der spätere Kaiser Wilhelm II. für die Archäologie zu interessieren. Bis zu seinem Tode im holländischen Exil hielt sein starkes Interesse dafür an.

Im Jahre 1907 kaufte er sich auf der griechischen Insel Korfu einen kleinen Palast, das Achilleion3, welcher im Jahre 1890 von Elisabeth I., Kaiserin von Österreich, in Auftrag gegeben und von den Architekten Landi und Carito errichtet wurde. Wilhelm II. verbrachte dort mehrfach, meist über Ostern, einige Wochen im Jahr.

Im April 1911 fanden ganz in der Nähe des Achilleions die Ausgrabungen des Artemis-Tempels statt. Wilhelm II. wurde über die dort gemachten Funde durch griechische Grabungsteilnehmer informiert, die um sein Interesse an der Archäologie wussten. Er zog sich den deutschen Archäologen Wilhelm Dörpfeld, den damaligen Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen heran, welcher die weiteren Ausgrabungen mit Genehmigung des griechischen Königs Georg I. leitete.4

Bis 1914 wurden in mehreren Grabungen die Fundamente des Tempels freigelegt. Wilhelm II. beteiligte sich selbst an den Ausgrabungen eines Reliefs, welches die Figur einer Gorgo bzw. Gorgone darstellte (Abb. 1). Die Gorgonen sind Figuren der griechischen Mythologie. Sie hatten Schlangen als Haare und besaßen goldene Flügel. Die drei Gorgonen waren die Schwestern Euryale, Stheno und Medusa. Gezeugt wurden sie vom Meeresgott Phorkys und seiner Schwester, dem Meeresungeheuer Keto.5

Abb. 1: Gorgo vom Korfu-Tempel.

Wilhelm II. schildert den Fund des Reliefs in seinem 1924 erschienenen Buch Erinnerungen an Korfu so:

Die Arbeiter machten Pause zum Essen, die Kabinette und das Auswärtige Amt rüsteten sich zur Heimfahrt. Allein ich blieb, das Archäologenfieber hatte mich mächtig gepackt. Ich stellte den Herren frei, nach Hause zum Essen zu fahren, aber auch sie beschlossen, zu bleiben. Ihre Majestät, hiervon benachrichtigt, schickte Körbe mit Speisen und Trank herab. Ich selbst nahm nichts. Unverdrossen, immer wieder unter den Stein fühlend, wachte ich neben ihm, und die Konjekturen und Kombinationen wuchsen wie Pilze aus der Erde empor.
Lange Locken? Was konnte das bedeuten?
Nach der Mittagspause wurde weitergearbeitet. Die Platte wurde beim Freilegen immer größer und lag schräg im Boden, so dass von zwei Seiten gegraben, und eine recht ansehnliche Grube ausgehoben werden musste. Stunde um Stunde verrann. Die Herren hatten schon Taschentücher über den Köpfen, einzelne hatten sich auch Sonnenschirme besorgt. Endlich gegen Abend, war die große Platte ganz von Erde befreit und konnte aufgerichtet werden. Mit vielem Gerede und nach etlichen missglückten Versuchen gelang es bei einigem energischen Zureden, den vereinten Kräften aller Arbeiter, die Platte aufzurichten und umzulegen.
Welch ein Anblick! In mächtiger Größe, in der üblichen Darstellung des archaischen Knielaufs, grinst alle die zähnefletschende Gorgo oder Medusa an, hohnlachend ihre Zunge ausstreckend.
Schlangen im Haar, Schlangen um den Leib und von Schlangen umgeben, einscheußliches Ungetüm. Wenn das keine spätere, absichtlich archaisch gehaltene Arbeit war, dann, so meinte ich, habe man etwas sehr Altes und Wertvolles gefunden. Sehr angeregt kehrte man zum Abendessen heim.
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Der Fund des Gorgo-Reliefs beeindruckte Willhelm II. so sehr, dass er sich später im Exil weiter damit beschäftigte und das Buch Studien zur Gorgo (Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1936) schrieb.

Die gegenwärtige Form der Gorgo im oben gezeigten Relief erklärt er in einem Schreiben vom 11.12.1933 an Dr. Adolf E. Jensen wie folgt:

Ich stehe vielmehr unter dem Eindruck, dass die Giebelgruppe, wie 1924 von Exzellenz Frobenius nach den eingehenden Studien seiner Mitarbeiter in seinem Institut mir meldete, in den Kreis der Garuda-Naga-Mythen-Darstellungen gehörig, hauptsächlich eine Darstellung aus diesem Kreise zeigt. Die Flügel einerseits, auch an den Schuhen, die auffallende Reichhaltigkeit der Ausstattung mit Schlangen andererseits, lassen doch deutlich eine Anlehnung an den Garuda-Sonnenvogel erkennen, dessen einstmaliges Vogelgesicht der Fratze (bösen Blick) gewichen ist. Es scheint mir hier eher eine „Verschmelzung“ des Garuda-Sonnenvogels mit der Swastika (Knielauf und Armhaltung) vorzuliegen, die bereits menschliche Gestalt bekommen hat. …
Wir haben es hier also … mit einem indonesischen Ungeheuer mit Eberkopf und Ebergewehren (Zähnen) zu tun.
Verflacht man nun weiter durch Eindrücken des Gebrechs das Antlitz bei Belassung des aufgerissenen Mauls mit den Zähnen, dann erhält man das Gesicht der Gorgo!
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Seit 1925 trafen sich in seinem holländischen Exil Haus Doorn führende Wissenschaftler aus den Gebieten der Kulturwissenschaften, Religionswissenschaften und der Ethnologie, um in mehrtägigen Zusammentreffen Vorträge zu halten, sowie über einschlägige Themen zu diskutieren.

Um dem Ganzen einen offiziellen Rahmen zu geben, konstituierte sich unter dem späteren Vorsitz von Wilhelm II. am 28. Oktober 1932 die Doorner Arbeitsgemeinschaft (D.A.G.), welche zuvor Doorner Akademie genannt wurde. Als Gründungstag der D.A.G. wurde von Wilhelm II. später der 01.06.1925 festgelegt.

Neben den Mitgliedern der D.A.G. wurden teils auch Gäste zu den Tagungen eingeladen.8

Einen großen Anteil an der Gründung der D.A.G. hatte der Ethnologe Geheimrat Prof. Leo Frobenius9, Gründer und Leiter des Instituts für Kulturmorphologie in Frankfurt am Main. Im Nachlass von Frobenius und des Ex-Kaisers Wilhelm II. haben sich umfangreiche Schriftwechsel zwischen ihnen und über die D.A.G. erhalten. So war es auch Frobenius, der durch seine Theorie der Kulturentwicklung und durch seine nahezu prophetischen Prognosen in Wilhelm II. ständig die Hoffnung schürte, wieder auf den Thron zurückkehren zu können.

Als zentrale Aufgabe der D.A.G. war ein Weltkultur-Archiv angedacht, welches aus einem Bilder-Archiv und einer Exzerptur aus der Mythen-, Märchen-, Legenden- und Fabel-Literatur besteht, die eine Materialsammlung aller Mythen- und Märchenmotive anstrebt.10

Durch viele Einzelforschungen war es das Ziel der D.A.G. ein Weltkulturbild11abzuliefern, das unter kulturmorphologischen Gesichtspunkten zusammengesetzt werden sollte.

Abb. 2: Eigenhändiger erster Entwurf von Wilhelm II. zum Gorgo-Abzeichen.

Wilhelm II. fertigte am 03.11.1931 auf persönlichem Briefpapier zwei Entwürfe eines Abzeichens für die Mitglieder der Doorner Arbeitsgemeinschaft an.12 Das Blatt zeigt die Entwürfe eines kleinen Abzeichens, welches nicht wesentlich größer ist als die damaligen Ordensminiaturen für den Zivilanzug. Ein Abzeichen, das nur auf dem Revers im Knopfloch getragen werden konnte. Oben eine Schleife von kornblumenblauem Band, dem Band des preußischen Kronenordens gleich. Darunter befindlich ein Rechteck mit dem umrahmten Schriftzug der D.A.G. Unter diesem eine Verkleinerung der Gorgo ohne Flügel, stark angelehnt an die Darstellung des Gorgo-Reliefs vom Giebel des Artemis-Tempels, bei dessen Ausgrabung Wilhelm II. selbst Hand anlegte und welche ihn noch auf Jahre in seinen Forschungen beschäftigen würde. Auf dem Entwurf finden sich noch die Anmerkungen, dass es sich lediglich um ein Abzeichen handelt, nicht um einen Orden oder eine Dekoration und er sich das Abzeichen aus Silberblech gestanzt vorstellen würde (Abb. 2).

Diesen Entwurf schickte er mit dem Hinweis, bei Zustimmung eine gute Zeichnung und ein Probestück anfertigen zu lassen an Leo Frobenius, um diesen von ihm prüfen zu lassen.

Wilhelm II. wollte ein Abzeichen schaffen, das als Symbol für die Ziele und das Wirken der D.A.G. stehen sollte. Mit Rücksicht darauf, dass dieses Abzeichen von jedem, ohne Rücksicht auf Religion, Herkunft oder Hautfarbe getragen werden konnte, hatte er dabei auf die Anbringung aller sonst üblichen Attribute wie Krone, Chiffre oder Religionsabzeichen verzichtet. Ein Jeder sollte sich selbst seine Auslegung der Gorgo zurechtlegen. Sie sollte nur den Weg weisen, auf welchem die Arbeit erledigt werden sollte. Laut einem Brief an Leo Frobenius verband Wilhelm II. mit dem Buchstaben D für seinen jetzigen Aufenthaltsort Doorn im Schriftzug der D.A.G., wenn auch völlig unpersönlich, seine Person als Förderer und Patron der D.A.G. und der Wissenschaften. So sollte jeder Träger des Abzeichens das geistige Band fühlen, welches ihn durch dieses Symbol mit dem damaligen Kaiser als Weltkulturforscher verbinden würde.13

Zunächst wurde der Gedanke gefasst, dieses Abzeichen, ähnlich dem für Förderer der Deutschen Orient-Gesellschaft, bei der Wilhelm II. ebenfalls Vorsitzender war, z.B. gegen Stiftungen oder Geldspenden an Damen und Herren zu vergeben.14

Da davon in den Unterlagen der D.A.G. jedoch keine weiteren Erwähnungen zu finden sind, wurde diese Praktik offenbar verworfen. Der Wirkungskreis der D.A.G. war zudem auch stark beschränkt und hatte über Doorn hinaus keinerlei nennenswerten Einfluss oder Auswirkungen, wenngleich Wilhelm II. u. a. Leo Frobenius` Forschungen mit teils beträchtlichen Geld- und Sachmitteln unterstützte. Die an den Tagungen gehaltenen Vorträge wurden jedoch regelmäßig im Folgejahr in Buchform veröffentlicht.

Am 21.12.1931 antwortete Frobenius auf Wilhelms Entwurf des Abzeichens und fertigte dazu eine eigenhändige und doppelt so große Zeichnung an, die die Gorgo mit ausgebreiteten Flügeln zeigte. Dieser Entwurf erschien ihm jedoch als zu klobig und daher misslungen.15 Weiterhin war er nach längerer Beratung zur Meinung gelangt, dass der Schriftzug der D.A.G. am unteren Ende des Abzeichens gefälliger aussehen würde. Diese Zeichnung hat sich weder in den Akten in Doorn, noch im Nachlass Frobenius erhalten.

In seiner darauf folgenden Antwort vom 27.12.193116 stimmte Wilhelm II. diesen Anmerkungen grundsätzlich zu und fertigte einen neuen Entwurf des Abzeichens an, in der er die Idee Frobenius` aufgriff, die Gorgo mit Flügeln darzustellen. In diesem Entwurf zeichnete er die Gorgo mit gefalteten Flügeln, die somit noch näher an ihr Vorbild angelehnt war, aber ohne die Schwerfälligkeit einer mit ausgebreiteten Flügeln stehenden Gorgo von Korfu zu besitzen (Abb. 3).

Abb. 3: Eigenhändiger zweiter Entwurf von Wilhelm II.  zum Gorgo-Abzeichen.

Den D.A.G.-Schriftzug setzte Wilhelm II. in dieser zweiten Zeichnung an das untere Ende des Abzeichens. Mit Schreiben vom 24.01.1932, gerichtet an den Grafen von Schwerin im Hofmarschallamt Haus Doorn, sah sich Frobenius mangels Beziehung und Erfahrung über das Herstellen von Abzeichen nicht in der Lage, der Anordnung von Wilhelm II. bezüglich der Übertragung der Anfertigung des Abzeichens an eine Firma zu entsprechen.

Er bittet darin den Grafen von Schwerin, alles Weitere für ihn zu veranlassen.17 Da Graf von Schwerin18 in Doorn jedoch keinerlei Verbindung zu Firmen bezüglich der Herstellung des Abzeichens hatte, entschied Wilhelm II., dass sich sein Schatullverwalter Freiherr von Sell19 in Berlin mit der Beauftragung einer Firma befassen sollte. Freiherr von Sell, tätig in der Generalverwaltung des ehemaligen Königshauses in Berlin, beauftragte die Berliner Firma Gebr. Godet & Co. mit der Herstellung der Abzeichen. Wahrscheinlich wählte er die Firma Gebr. Godet & Co., da diese bereits mit der Herstellung der von Wilhelm II. im Exil verliehenen Hausorden von Hohenzollern mehrfach beauftragt wurde. Den Unterlagen der D.A.G. ist zu entnehmen, dass etwa 25 Stück der Abzeichen angefertigt worden sein müssen. Dies ergibt sich aus den neunzehn ausgegebenen Abzeichen der D.A.G.-Mitgliederliste und dem Restbestand von insgesamt sechs Abzeichen, die auf der Bestandsliste des Tresors in Doorn mit Datum vom 17.02.1943 aufgeführt wurden.20 Über die Bestellung der Abzeichen oder den Anfertigungspreis haben sich keinerlei bekannte Nachweise erhalten. Dass die Firma Gebr. Godet & Co. tatsächlich mit der Anfertigung der Abzeichen betraut wurde, ist der Tragevorrichtung des Abzeichens zu entnehmen, welches das für die 1930er-Jahre typische Herstellersignet der Firma Gebr. Godet & Co. trägt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde nur eine Serie dieser Abzeichen hergestellt.

Am 12.06.1932 meldete Wilhelm II. an Frobenius: Gorgoabzeichen fertig!21

Abb. 4: Etui zum Abzeichen mit aufgesetztem Deckel.

Abb. 5: Etui mit abgenommenem Deckel und innen liegendem Abzeichen.

Bei dem Etui zum Abzeichen (Abb. 4 und 5) handelt es sich um eine rotbraune und mit weißem Samt gefütterte Pappschachtel, welche der Fa. Gebr. Godet & Co. auch zur Verpackung anderer kleiner Schmuckwaren diente; Größe: ca. 40 x 60 mm. Die Oberfläche der Schachtel ist gleichmäßig linienartig strukturiert. Der Deckel ist weiß gerändert und innen mit dem Firmenlogo bedruckt (siehe Bild am Schluss der Seite).

Abb. 6: Gorgo-Abzeichen, Vorderseite.

Beschreibung des Abzeichens (Abb. 6 und 7):

Bei dem dargestellten Abzeichen, handelt es sich um die zur Verleihung bestimmte Form des Mitglieds-Abzeichens der D.A.G, dass der zweiten Entwurfszeichnung entspricht. Die Gesamtgröße des Abzeichens beträgt etwa 30 x 35 mm. Es ist aus 800er Silber gefertigt. Die Silberpunze befindet sich auf der Innenseite des Trageknopfes. Auf der Gorgo selbst befindet sich keine Marke oder Punze.

Es besteht aus der plastischen Darstellung einer Gorgo, die auf dem Schriftzug der D.A.G. ruht, welcher oben und unten von je einem schmalen, waagerechten Balken eingefasst ist. Die Gorgo selbst misst 18 x 23,5 mm. Sie ist mittels einer Öse an einem mit Sternen und Linien verzierten Ring befestigt, welcher auf einem Knopf sitzt. Durch den Ring ist in zwei Lagen ein kornblumenblaues Band geführt.

Abb. 7: Gorgo-Abzeichen, Rückseite.

Die Rückseite des Abzeichens ist glatt. Der Knopf trägt die Herstellerbezeichnung der Firma Gebr. Godet & Co., Berlin. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde das Gorgo-Abzeichen, wie es fortan genannt wurde, bis auf eine Ausnahme nur an Mitglieder der D.A.G. verliehen. Bei dieser Ausnahme handelte es sich um eine Verleihung an Hermine, die zweite Ehefrau Wilhelms II. Die ersten Verleihungen des Gorgo-Abzeichens fanden am 29.10.1932 statt, zum Zeitpunkt der ersten Tagung der D.A.G.

Soweit bisher bekannt, wurden die Abzeichen grundsätzlich ohne Urkunde oder Verleihungsschreiben jeweils im Rahmen einer Tagung überreicht. In den Akten der D.A.G. befindet sich jedoch ein Verleihungsschreiben. Dabei handelt es sich um eine Verleihung, die außerhalb einer Tagung der D.A.G. vorgenommen wurde.

Weiterhin finden sich Aktennotizen über die Ausgabe und Verwahrung der Abzeichen. Die bis heute aktenkundigen Mitglieder der D.A.G. sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

Tabelle 1: Mitgliederliste der D.A.G. unter Einbeziehung der Verleihung des Gorgo-Abzeichens, des Gorgo-Bechers und des Jubiläums-Bechers von 1937.

Da das Gorgo-Abzeichen an Herrn Dr. Jensen zwischen zwei Tagungen verliehen wurde, findet sich in den Akten für diese Verleihung ein Verleihungsschreiben (Abb. 8).

Abb. 8: Abschrift des Verleihungsschreibens an Dr. Adolf E. Jensen.

Abb. 9: Notiz des Grafen von Schwerin für die Akten der D.A.G., über die Bereitstellung der Gorgo-Abzeichen für die Verleihungen aus Anlass der zweiten D.A.G.-Tagung.

Abb. 10: Notiz des Grafen von Schwerin für die Akten der D.A.G, bezüglich der Aufnahme von Herrn Dr. Altheim als Mitglied der D.A.G.

Abb. 11: Von Wilhelm II. genehmigte Bestimmung, wann das Gorgo-Abzeichen anzulegen ist.

Statuten zu diesem Abzeichen wurden nicht erlassen, es existiert aber eine Bestimmung des ehemaligen Kaisers, wann das Abzeichen anzulegen war (Abb. 11).

Über die Trageweise existieren keine Bestimmungen, jedoch ergibt sie sich schon aus der Art des Abzeichens, da es wegen der daran vorhandenen Tragevorrichtung nur am Revers im Knopfloch getragen werden konnte. Im Fotoarchiv der Stiftung Haus Doorn findet sich unter der Internetadresse http://fotocollectie.huisdoorn.nl/HuDF-A091-06 eine Abbildung auf der v. l. n. r. Walter F. Otto, Franz Altheim, Karl Kerényi, Hermann Lommel, Freiherr von Sell, Wilhelm II., Graf von Schwerin, Leo Frobenius, Hans Naumann, Karl Reinhardt, Franz Böhl, sowie Carl Vollgraff, teils mit dem angelegten Gorgo-Abzeichen zu sehen sind. Da die Wiedergabe des Abzeichens nicht besonders deutlich ist, wurde auf einen Abdruck in dieser Veröffentlichung verzichtet. Zwischenzeitlich wurden aber aus dem Fotoarchiv weitere Bilder gescannt und sind online abrufbar. Dabei handelt es sich um Bilder der Tagungen von 1936 und 1937 auf denen die Gorgo-Abzeichen teils zweifelsfrei zu erkennen sind. Besonders ist das Bild hevorzuheben, welches unter folgender Internetadresse einsehbar ist: http://fotocollectie.huisdoorn.nl/HuDF-A099-09. Es zeigt v. l. n. r. Robert Freiherr von Heine-Geldern, Leo Frobenius, Hermann Lommel, sowie Wilhelm II.

Dass es sich bei dem (kleinen) Gorgo-Abzeichen um das Abzeichen in der Originalgröße handelt und nicht um eine Miniatur, ergibt sich einerseits aus den Entwurfszeichnungen, dem Abzeichen in der Sammlung des Verfassers und dem vorhandenen Bestand an zwei Abzeichen in der Stiftung Haus Doorn (Inventarnr: HuD 4643/4644), andererseits aus einem Schreiben des Grafen von Schwerin vom 09.10.1933 an General von Dommes22, wo er es als kleines Abzeichen betitelt (Abb. 13).

Wie aus der Mitgliederliste (Tabelle 1) ersichtlich, wurden den Teilnehmern der D.A.G.-Tagungen ab dem Jahr 1933  Erinnerungs-Becher als Geschenk überreicht. Zur Tagung im Jahre 1932 erhielt Frobenius eine silberne Zigarettendose und die Professoren Manschettenknöpfe. Mit der Auswahl und Beschaffung der Erinnerungsgeschenke wurde wiederum Graf von Schwerin beauftragt. Von ihm stammt die Idee, als Geschenk einen silbernen Becher zu vergeben.

Er leitete das Vorhaben an die Generalverwaltung des Preußischen Königshauses in Berlin weiter. Dort ließ sich General von Dommes durch den Juwelier Louis Werner, Berlin W8, Friedrichstr. 190, Vorschläge zur Anfertigung der Becher unterbreiten (Abb. 12).24

Die Firma Louis Werner war ständiger Lieferant für Geschenknadeln und Silberwaren des königlichen Hauses.

Die Anfertigung der Becher erfolgte kostenneutral unter Ablieferung von anderen Silberwaren aus der Silberkammer. Dass General von Dommes nicht den Juwelier J. H. Werner, Berlin W8, Friedrichstr. 173, gemeint haben kann, ist der Vertriebsmarke auf dem Becher des Prof. Dr. Franz Altheim und den Berliner Adressbüchern zu entnehmen, in denen der Juwelier J. H. Werner nur bis zum Jahre 1922 verzeichnet ist.

Abb. 12: Schreiben des General v. Dommes an den Grafen von Schwerin, bezüglich der Vorschläge der Firma Werner.

Abb. 13: Antwortschreiben des Grafen von Schwerin an den General von Dommes, bezüglich der Gestaltung der Erinnerungs-Becher.

Zunächst wurden 12 Erinnerungs-Becher bestellt und geliefert, welche mit der gekrönten W II Chiffre und,  analog zum Gorgo-Abzeichen, mit dem Bildnis der Gorgo und der Jahreszahl 1933 verziert waren. Die folgenden Jahreszahlen der jeweiligen Tagungen wurden zusätzlich später eingraviert.

Die Stückzahl 12 ergibt sich aus der Notiz des Grafen von Schwerin vom 01.11.1933, in der er vermerkt, dass sechs Becher an die Teilnehmer der zweiten D.A.G.-Tagung verschenkt wurden und sich sechs weitere Becher im Tresor des Hofmarschallamts befinden (Abb. 14). Zu jeder Tagung wurden den Bechern der Tagungsteilnehmer die jeweilige Jahreszahl in gravierter Form hinzugefügt (Abb. 15).

Die Professoren, welche bereits einen Becher überreicht bekamen, mussten diesen zur nächsten Tagung mitbringen, damit die neuen Jahreszahlen graviert werden konnten. Dieser Umstand ist durch Einladungen belegt, in welchen an das Mitbringen des Bechers und des Gorgo-Abzeichens erinnert wurde.

Da nicht jeder Teilnehmer an jeder Tagung teilnahm, ergaben sich ganz individuelle Jahreszahlenfolgen auf den Bechern. Deshalb kann festgehalten werden, dass der Juwelier Werner nicht die komplette Gravur der Jahreszahlen ausgeführt hat. Dies musste durch einen vor Ort ansässigen Graveur erledigt worden sein. Um wen es sich dabei handelte ist nicht bekannt.

Abb. 14 : Auflistung des Grafen von Schwerin über die erste Verteilung der Erinnerungs-Becher, anlässlich der D.A.G.-Tagung im Jahre 1933.

Wilhelm II. selbst, der D.A.G.-Schriftführer Graf v. Schwerin und der Schatullverwalter v. Sell, erhielten keinen Erinnerungs-Becher. Eine Ausnahme wurde nur bei der Jubiläumstagung im Jahre 1937 gemacht, zu der jeder Teilnehmer den unten erwähnten Jubiläums-Becher erhielt.

Abb. 15: Aktennotiz des Grafen von Schwerin, bezüglich der Gravierung von neuen Jahreszahlen auf den Erinnerungs-Bechern.

Einen dieser Erinnerungs-Becher erhielt die „Kaiserin“ Hermine anlässlich ihres Geburtstages am 17.12.1933.


Abb. 16: Auflistung des Hofmarschallamts über die bereits ausgegebenen Erinnerungs-Becher, deren Bestand am 03.10.1934, sowie der Planung über die Ausgabe der Becher anlässlich der D.A.G.-Tagung im Jahre 1934.

Abb. 17: Vermerk des Hofmarschallamts über die vorbereitete Ausgabe der Erinnerungs-Becher, anlässlich der D.A.G.-Tagung im Jahre 1934.

Einen Gorgo-Becher und sein Gorgo-Abzeichen erhielt Prof. Dr. Altheim23 am 29. Oktober 1934, als er anlässlich einer D.A.G.-Tagung, der er als Gast beiwohnte, als Mitglied in die D.A.G. aufgenommen wurde (Abb. 10). Im Gegensatz zu seinem Becher, hat sich sein Gorgo-Abzeichen nicht erhalten.

     
Abb. 18 und 19: Gorgo-Becher des Prof. Dr. Franz Altheim.

Beschreibung des Altheim-Bechers (Abb. 18 und 19):

Der schlichte Becher hat eine leicht konische Form und besteht aus Silber. Er hat an seiner Öffnung einen Durchmesser von 63 mm. Am Boden hat er einen Durchmesser von 42 mm. Die Höhe beträgt 108 mm; die Wandstärke 0,6 mm. Der Becher wiegt 81,6 g, ist innen vergoldet und weist auf seiner gesamten äußeren Oberfläche ein geprägtes Muster auf, welches ihm ein mattes Finish verleiht.

Auf der Vorderseite befindet sich eine Gravur mit der gekrönten W II Chiffre. Die Rückseite ist mit einer Gorgo-Darstellung graviert, darunter die Buchstaben DAG. Unter der Buchstabengruppe sind die Jahreszahlen 1934, 1935 und 1936 graviert. In diesen Jahren hatte Altheim an den D.A.G.-Tagungen teilgenommen. Die Jahreszahlen stimmen mit den Aufzeichnungen in der Teilnehmerliste (Tabelle 2) überein. Dieser Becher war bereits im Jahre 1933 für eine Ausgabe vorgesehen. Die Jahreszahl 1933 wurde jedoch in die Zahl 1934 geändert.

Abb. 20: Punzen im Boden des Altheim-Bechers.

Im Boden des Bechers befinden sich die Marken Halbmond, Krone, 835, WTB, darüber der Vertriebsstempel  Louis Werner (Abb. 20). Das T in der Marke WTB stellt einen stilisierten Schlegel dar. Es ist die Marke der bekannten Silber- und Besteckwarenfabrik Wilhelm Binder, Schwäbisch Gmünd, von der die Berliner Firma Werner die Standartbecher aus laufender Produktion bezogen hat.

Die förmlichen Tagungen begannen im Jahre 1932 und fanden jährlich einmal bis zum Jahre 1938 statt. Die erste Ausgabe der Becher erfolgte im Rahmen der Tagung im Jahre 1933. Die Tagung im Jahre 1939 wurde am 14.09.1939 wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs auf unbestimmte Zeit verschoben.24 Bis zum Tode Wilhelms II. wurden keine weiteren Tagungen mehr abgehalten. Die D.A.G. ist mit seinem Tode als erloschen anzusehen.

Abb. 21: Bestellung seitens des Hofmarschallamts, Graf von Schwerin, von zwei weiteren Erinnerungs-Bechern an die Schatullverwaltung, Freiherr von Sell, für die D.A.G.-Tagung im Jahre 1936.

Insgesamt sind anhand der Akten in den Jahren 1933 bis 1938 lediglich 14 (normale) Gorgo-Becher bestellt worden. 12 Becher wurden im Oktober 1933 geliefert (Abb. 14), zwei Becher wurden im August 1936 nachbestellt (Abb. 21) und deren Eingang bestätigt. Ob mit dieser zweiten Lieferung wieder die Fa. Louis Werner beauftragt wurde ist nicht bekannt. 12 Becher wurden nachweisbar an die Tagungsteilnehmer ausgegeben. Der Verbleib der beiden anderen Becher bleibt unklar.

In den Akten ist keine weitere Aufstellung über den Bestand an Bechern oder deren Vergabe vorhanden. Dass diese beiden Becher im Jahre 1937 an die in diesem Jahr erstmals an den Tagungen teilnehmenden neuen Mitglieder v. Heine-Geldern und Rhotert zusätzlich zum Jubiläums-Becher vergeben wurden, ist nicht aktenkundig. Sicher ist nur, dass sich diese Becher bereits im Jahre 1943 nicht mehr in Doorn befanden. Für eine größere Anzahl an gelieferten Bechern, mit Ausnahme der Jubiläums-Becher, fehlt es an Nachweisen.

Aus Anlass der 12 ½-jährigen Jubiläumstagung im Jahre 1937 wurden durch Freiherrn von Sell in Berlin 16 weitere Becher bestellt (Abb. 28), die entsprechend graviert wurden. Diesen Bechern fehlt jedoch die Gravur des D.A.G.-Schriftzuges. Die Jubiläums-Becher wurden vom Juwelier H. J. Wilm, Berlin SW 19, Jerusalemer Str. 25, geliefert.

In der Stiftung Haus Doorn hat sich einer dieser Jubiläums-Becher erhalten; Inventarnummer: HuD 4966. Es muss sich hierbei um den noch einzig im Tresor des Hofmarschallamts vorhandenen Becher handeln, der bei der Bestandsaufnahme vom 17.02.1943 neben den sechs Gorgo-Abzeichen mit aufgelistet wurde (Abb. 27).25

Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um das persönliche Exemplar Wilhelms II., denn entgegen zur Praxis, dass Wilhelm II. und sein Schriftführer, bzw. Schatullverwalter keinen (normalen) Becher erhielten, ist eine Aushändigung der Jubiläums-Becher an sie dokumentiert.

     
Abb. 22 und 23: Jubiläums-Becher der D.A.G., Vorderseite (links) und Rückseite.

Abb. 24: Punzen im Boden des Jubiläums-Bechers.

Der Jubiläums-Becher des Freiherrn von Sell befindet sich bis heute in seiner Familie; sein Gorgo-Abzeichen ging leider verloren. Durch den Vertriebsstempel im Boden dieses Bechers ist die Lieferung durch die Firma Wilm bestätigt.

Beschreibung des Jubiläums-Bechers des Freiherrn von Sell (Abb. 22 und 23):

Der Becher des Freiherrn von Sell ist im Boden mit H.J.Wilm, Berlin, 66009, Halbmond, Krone, 835 und WTB markiert, wobei es sich bei der Zahl 66009 um eine Werksbezeichnung handelt. Die Art des Bechers, Material, sowie seine Maße stimmen mit denen des Altheim-Bechers nahezu überein. Lediglich die Prägung des Musters auf der Außenseite des Bechers ist wesentlich feiner und flacher. Dieser Becher ist identisch mit dem im Haus Doorn vorhandenen Jubiläums-Becher. Die Vorderseite ist wie der Altheim-Becher mit der gekrönten W II Chiffre graviert. Darunter befindet sich zusätzlich der zweizeilige Schriftzug Jubiläumstagung 1937. Auf der Rückseite ist ebenfalls eine Gorgo-Darstellung graviert, jedoch abweichend zum Altheim-Becher, ohne D.A.G.-Schriftzug und ohne Jahreszahl. Die Gravur, welche mit großer Wahrscheinlichkeit komplett bei der Fa. Wilm angefertigt wurde, weicht leicht von den Gravuren der herkömmlichen Becher ab. Die Konturen sind teils mit feinen Linien ergänzt worden, wodurch eine plastischere Darstellung erreicht wurde.

      
Abb. 25 und 26: Gegenüberstellung der Gorgo-Gravuren – Links die Gravur aus dem Jahre 1933, rechts die Gravur aus dem Jahre 1937.

Abb. 27: Auszug der Liste, der im Tresor des Hofmarschallamts lagernden Gegenstände.

Abb. 28: Liste mit den Empfängern der Jubiläums-Becher.

Abschließend sei noch erwähnt, dass Wilhelm II. einigen D.A.G.-Mitgliedern seinen Hausorden von Hohenzollern verliehen hatte.

So erhielt Leo Frobenius im Jahre 1926 für seine Forschungen das Komturkreuz und 1929 den Stern zum Komturkreuz. Dr. Friedrich Sarre erhielt den Stern der Komtur (1933). Dr. Alfred Jeremias (1930), Dr. Julius Jordan (1930), Dr. Hermann Lommel (1931), Dr. Hans Naumann (1931) und Dr. Adolf E. Jensen (1934) erhielten für ihre Forschungen jeweils das Kreuz der Ritter des Hausordens von Hohenzollern. Freiherr von Sell erhielt im Jahre 1928 das Komturkreuz mit Schwertern dieses Hausordens.

Abb. 29: Abschrift der Verleihungsurkunde für Prof. Dr. Alfred Jeremias, über die Verleihung des Ritterkreuzes des Hohenzollerschen Hausordens.

Tabelle 2: Liste der Teilnehmer der D.A.G.-Tagungen.

Danksagung:
Meinen besonderen Dank für die freundliche Unterstützung der Recherchen möchte ich Herrn Dr. Christoph Franzen, Johann Wolfgang Goethe-Universität, sowie Herrn Dr. Richard Kuba, Frobenius-Institut, aussprechen. Weiterhin bin ich Frau Prof. Dr. Ruth Altheim-Stiehl, Münster, für die Überlassung des Altheim-Bechers zu großem Dank verpflichtet. Ferner danke ich Herrn Friedrich-Wilhelm Freiherrn von Sell, Berlin für die Möglichkeit Fotografien des Jubiläums-Bechers anfertigen zu dürfen. Frau Wendy Landewé, Konservatorin Haus Doorn, sei für ihre Informationen zum dort vorhandenen Jubiläums-Becher gedankt.

Bildnachweis:
Abb. 1 bis 3: Frobenius-Institut, Frankfurt am Main: Frobenius Nachlass (PBA-B00517~a, LF 616/30 und LF 616/41a)
Abb. 4 bis 7, 18 bis 26, Schlussbild: Fotograf Uwe Brückner, Berlin
Abb. 8 bis 17, 27 bis 29: Faksimilies in Anlehnung an die Originaldokumente – Anfertigung Uwe Brückner, Berlin

Anmerkungen / Quellen:
1 Gegründet wurde das Institut 1898 als Stiftung Afrika Archiv in Berlin, 1920 siedelte es sich als Forschungsinstitut für Kulturmorphologie in München an. Ab 1925 war es angegliedert an die Goethe-Universität in Frankfurt und 1946 umbenannt zur heutigen Bezeichnung. Nachfolger von Leo Frobenius als Institutsleiter waren ab 1938 Adolf Ellegard Jensen, ab 1968 Eike Haberland, seit 1996 Prof. Karl-Heinz Kohl. Siehe auch: Frobenius-Institut
2 Ebenda
3 Jörg Michael Henneberg: Das Sans-Souci Kaiser Wilhelm II. Der letzte Deutsche Kaiser, das Achilleion und Korfu, Isensee Verlag, 2004 und auf
http://www.preussen.de/de/heute/forum_preussen/joerg_michael_henneberg_ueber_wilhelm_ii._und_das_achilleion.html
4 Der letzte Kaiser Wilhelm II. im Exil, Katalog zur Ausstellung, Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh 1991, S. 190/191
5 www.sagengestalten.de, Gorgonen
6 Kaiser Wilhelm II.: Erinnerungen an Korfu, Berlin/Leipzig 1924, Verlag: Walter de Gruyter & Co.
7 Abschrift einer dreiseitigen Stellungnahme Wilhelms II. für Dr. Jensen über den Ursprung der Gorgo-Darstellung in GStA PK XIII. HA Rep. 379: Inventar des Archivs des Ex-Kaisers Wilhelm II. während seines Aufenthalts in den Niederlanden, 1918–1941 (1945), Fiche 1677-1678, 288-295. Manuskripte und Vorträge, von Kaiser während der Tagungen der Doorner Arbeits-Gemeinschaft gehalten, mit dazugehöriger Korrespondenz, 1930–1939
8 GStA PK XIII. HA Rep. 379: Fiche 1669-1676, 287. Unterlagen über die Geschichte und die Arbeiten der Doorner Arbeits-Gemeinschaft, und ihre Teilnehmer, 1925–1937
9 Leo Frobenius (* 29. Juni 1873 in Berlin; † 9. August 1938 in Biganzolo, Italien) war einer der bedeutendsten deutschen Ethnologen seiner Zeit. Als Sohn des preußischen Offiziers Hermann Frobenius und Enkel des Direktors des Berliner Zoologischen Gartens Dr. med. Heinrich Karl August Bodinus aufgewachsen, verbrachte er eine unstete Kindheit, verließ das Gymnasium ohne Abitur und machte eine Kaufmannslehre. Als Autodidakt wandte er sich bereits früh der Völkerkunde zu, war zeitweise Volontär an verschiedenen Museen und gründete 1898 in München sein Afrika-Archiv. Von 1904 bis 1935 unternahm er verschiedene Forschungsexpeditionen nach Afrika. Er veröffentlichte zahlreiche Werke, darunter auch eine umfangreiche Sammlung von afrikanischen Volkserzählungen. 1925 erwarb die Stadt Frankfurt a. M. die umfangreichen Sammlungen seines Instituts für Kulturmorphologie, mit dem er nach Frankfurt umsiedelte (heute: Frobenius-Institut). 1932 wurde er zum Honorarprofessor an der Frankfurter Universität und 1934 zum Direktor des dortigen Völkermuseums ernannt.
10 Frobenius-Institut, Frankfurt am Main: Frobenius Nachlass: LF 611/101-108 Frobenuis an Wilhelm II., 8.11.1931
11 Ebenda LF 616/31-36 Wilhelm II. an Frobenius, 11.11.1931
12 Ebenda LF 616/30 Wilhelm II. an Frobenius, 3.11.1931
13 wie 11
14
Ebenda
15 Ebenda LF 611/137-140 Frobenuis an Wilhelm II., 21.12.1931
16 Ebenda LF 616/39-41 Wilhelm II. an Frobenius, 27.12.1931
17 Ebenda LF 604/14f und16f Frobenius an Schwerin, 24.1.1932
18 Detloff Graf von Schwerin (1869–1940), Königlich Preußischer Generalmajor und Hausmarschall Wilhelms II. in Doorn.
19 Ulrich Freiherr von Sell (1884–1945) war Vermögensverwalter und Verwalter der Privatschatulle des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Von Sell nimmt später an verschiedenen Beratungen des deutschen militärischen Widerstandes in der Bendlerstraße teil und ist von den Verschwörern um Claus Schenk Graf von Stauffenberg als Verbindungsoffizier im Wehrkreis IX (Kassel) vorgesehen. Wenige Tage nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wird von Sell von der Gestapo verhaftet und sitzt bis März 1945 in Untersuchungshaft. Im Mai 1945 wird er vom Geheimdienst NKWD verhaftet und verschleppt. Er stirbt am 12. November 1945 in einem Lager an Unterernährung.
20 GStA PK XIII. HA Rep. 379: Fiche 2280-2281, 440A. Inhalt des Tresors im Hause Doorn, 1942, 1943, 1945–1946, 1949
21 Frobenius-Institut, Frankfurt am Main: Frobenius Nachlass: LF 616/50 Wilhelm II. an Frobenuis, 12.6.1932
22 Wilhelm Ernst Justus von Dommes (1867–1959) war zuletzt Generalleutnant und Generalbevollmächtigter des preußischen Königshauses. Er wurde am 12. Juli 1919 aus der Armee verabschiedet und in den Ruhestand versetzt. Dommes betätigte sich von 1925 bis 1934 als Vorsitzender des Preußenbundes und war von 1932 bis zum Tode Wilhelms II. Generalbevollmächtigter des preußischen Königshauses. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte er diese Funktion ein weiteres Mal bis Dezember 1947 inne.
23 Prof. Dr. Dres. h.c. Franz Altheim (* 6. Oktober 1898 in Frankfurt am Main; † 17. Oktober 1976 in Münster in Westfalen). Er war ein deutscher Althistoriker und Klassischer Philologe. Er studierte von 1916 bis 1921 an der Universität Frankfurt Klassische Philologie und Altertumswissenschaften, in der Stadt, in der er schon zur Schule gegangen war. Er promovierte im Dezember 1921 bei Hans von Arnim mit der Arbeit Die Komposition der Politik des Aristoteles. 1925 war Altheim Stipendiat der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. 1928 erfolgte seine Habilitation bei Walter F. Otto zum Thema Griechische Götter im alten Rom. Daran anschließend war er bis 1935 Privatdozent, ab 1936 außerplanmäßiger Professor für Klassische Philologie an der Universität Frankfurt. Im Winter 1936 war er Lehrstuhlvertreter an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er gehörte dem George-Kreis an und war 1934 bis 1936 Mitglied der SA. 1937 wurde er außerordentlicher Professor für Klassische Philologie an der Hallenser Universität, 1943 schließlich ordentlicher Professor. Im August 1937 wurde er wegen seiner Mitarbeit im Ahnenerbe e.V. von der D.A.G. ausgeschlossen. 1945 wurde Altheim zunächst ab-, aber bald schon wieder eingesetzt. 1948 wurde er in Halle Professor für Alte Geschichte, wechselte aber 1950 auf den althistorischen Lehrstuhl an der neu gegründeten Freien Universität Berlin, den er bis zu seiner Emeritierung 1964 inne hatte. Altheim wurde über seinen Tod hinaus als Mitglied des Patronatskommitee der Nouvelle École aufgeführt. Ursprünglich Latinist, wandte sich Altheim spätestens in Halle immer mehr der Alten Geschichte zu. Er verfasste eine umfangreiche Zahl von Monographien, die teilweise auch in andere Sprachen übersetzt wurden. Altheim beschäftigte sich vor allem mit der hellenistischen und römischen Geschichte sowie mit der römischen Religionsgeschichte und der Geschichte des alten Orients. Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Universitäten Gent und Rio de Janeiro. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Altheim)
24 GStA PK XIII. HA Rep. 379: Fiche 1677-1678, 288-295. Manuskripte und Vorträge, vom Kaiser während der Tagungen der Doorner Arbeits-Gemeinschaft gehalten, mit dazugehöriger Korrespondenz, 1930–1939
25 Ebenda

Gorgo-Becher (links), Gorgo-Abzeichen (Mitte), Jubiläums-Becher (rechts)